Auch ich habe, ebenso wie Abermillionen andere, die Millenium-Trilogie des verstorbenen schwedischen Schriftstellers Stieg Larsson gelesen. In den drei Büchern geht es um Mord, Korruption, Wirtschaftskriminalität, Computercracks, fiese und sadistische Verbrecher und andere schlimme Dinge. Vor allem aber geht es um die beiden Hauptcharaktere Mikael Blomquist und Lisbeth Salander. Jetzt wurde der erste Band verfilmt und läuft seit Anfang Oktober bei uns im Kino: “Verblendung” (im Original lautet der Titel durchaus treffender „Männer, die Frauen hassen“).
Meine Neugier auf die Verfilmung war groß, also nichts wie rein in den zweieinhalb Stunden langen Film. Ich möchte nicht zuviel von der Handlung verraten, also ganz kurz: Im Prinzip geht es um den knapp 50-jährigen Journalisten Mikael Blomquist, der vom reichen Industriellen Henrik Vanger angestellt wird, herauszufinden was mit Vangers Nichte Harriet, die vor 40 Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand, passiert ist. Zur Hand geht Blomquist die etwas verhaltensgestörte (vielleicht Autismus?) aber geniale Lisbeth Salander, eine Mittzwanzigerin, die für eine Überwachungsfirma arbeitet.
Gerade die Figur der Lisbeth Salander ist im Buch sehr überzeugend dargestellt und auch äußerst interessant in ihren vielen widersprüchlichen Facetten. Das fängt bei Äußerlichkeiten wie ihrem riesigen Drachentatoo auf dem Rücken an, geht über die vielen Piercings und die Punkerklamotten weiter und endet in ihrem Misstrauen gegenüber allen ihren Mitmenschen. Hier war ich sehr gespannt, wie dieser extreme Charakter im Film rüber kommt. Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht: Die Schauspielerin, die die Lisbeth spielt (Noomi Rapace) kommt meiner Vorstellung der Buchfigur sehr nahe. Ebenfalls positiv: Die etwas langweiligen Wirtschaftsverstrickungen, die im Buch doch recht ausführlich behandelt werden, sind in der Verfilmung zum Glück deutlich abgespeckt worden. Immer noch verwirrend sind aber die Familienverhältnisse der Vangers: Ich weiß nicht, ob ein Nicht-Leser des Buches da im Kino nicht kleinere Probleme kriegt. Im Buch kann man ja immer mal wieder zurückblättern und außerdem ist dort glücklicherweise ein Familienstammbaum beigelegt.
Ansonsten wurde die ganze Geschichte etwas vereinfacht und stringenter gemacht, aber das muss bei einer Verfilmung ja passieren – besonders wenn die Buch-Vorlage über 700 Seiten besitzt. Ein paar Sachen wurden auch noch geändert, aber nicht so viel, dass es stören würde.
Alles in allem hält sich der Film dann doch recht eng an die Vorlage – so eng, dass es für mich nicht besonders spannend war, weil ich alles schon wusste und durch nichts im Film überrascht werden konnte. Trotzdem kann ich ihn empfehlen: Wer das Buch noch nicht gelesen hat, erlebt einige drastische Schockmomente und überraschende Wendungen in der Handlung. Und es ist mal was anderes als der hundertste Wallander-Krimi.
Die beiden anderen Bände der Trilogie sind auch schon verfilmt, der zweite Teil kommt im Februar 2010 zu uns ins Kino. Ich werd mir die Fortsetzungen wohl auch anschauen, denn gut gemacht sind die Filme auf jeden Fall.
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