Schlagwort-Archive: Buch

Asterix & Obelix feiern Geburtstag – der neue Asterix Band

Schon der letzte Asterix-Band „Gallien in Gefahr“ aus dem Jahr 2005 war der großen Asterix-Tradition unwürdig. Asterix-Zeichner und -Texter Albert Uderzo war hier auf einem traurigen Tiefpunkt angelangt: Zwar waren die Zeichnungen noch spritzig und denen der vorhergehenden Asterix-Bände ebenbürtig, die Story war aber dermaßen an den Haaren herbeigezogen und dazu noch schlecht ausgeführt, dass es jeden altgedienten Asterix-Fan (so wie mich) nur gruseln konnte. Deswegen fieberte ich dem Jubiläumsband „Asterix & Obelix feiern Geburtstag – Das goldene Buch“ nicht gerade entgegen. Nichtsdestotrotz (die Neugier ist eben größer) musste der Band natürlich doch gekauft werden.

Tja, was soll ich sagen? Auch mit diesem Band schafft es der mittlerweile 82-jährige Uderzo nicht, an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen. Er ist auch im hohen Alter ein begabter Zeichner aber leider immer noch kein begnadeter Texter. Nach dem viel zu frühen Tod seines Partners René Goscinny im Jahr 1977 wollte er es eben allein schaffen – aber das hat er nie. Von Band zu Band wurden die Geschichten schlechter und Uderzos Weigerung, einen fähigen Szenaristen mit an Bord zu nehmen, immer unsinniger.

Und beim Jubiläumsband „Asterix & Obelix feiern Geburtstag“ (vor 50 Jahren erschien der erste Asterix-Band) ist mal wieder die Story (oder das Nichtvorhandensein derselben) das Problem. Die im neuen Band versammelten Kurzgeschichten sind mal mehr, meistens aber weniger geglückt und manchmal richtig ärgerlich. Ein paar nette Aha-Erlebnisse und Reminiszenzen an die guten alten Tage, ein paar nette Gags – jedoch sind die Ansprüche (ich geb’s ja zu) an einen neuen Asterix-Band einfach gigantisch hoch. Für 50 Jahre Asterix ist „Asterix & Obelix feiern Geburtstag“ wirklich kein würdiger Jubiläumsband. So hart es klingt: Man kann wirklich nur hoffen, dass dies jetzt der letzte Band aus der Feder von Uderzo sein wird (zumindest als Autor) – denn die wirklich großartige Historie von Asterix hat diese Demontage nicht verdient. Also: Jubiläumsband lesen und sofort vergessen! Und dann alle alten Asterix-Bände wieder vorkramen (oder neu kaufen) und einen der besten Comics aller Zeiten genießen. Alea iacta est!

Veröffentlicht unter Allgemeines, Bücher & Musik | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Verblendung als Buch und im Kino – Spannung pur

Auch ich habe, ebenso wie Abermillionen andere, die Millenium-Trilogie des verstorbenen schwedischen Schriftstellers Stieg Larsson gelesen. In den drei Büchern geht es um Mord, Korruption, Wirtschaftskriminalität, Computercracks, fiese und sadistische Verbrecher und andere schlimme Dinge. Vor allem aber geht es um die beiden Hauptcharaktere Mikael Blomquist und Lisbeth Salander. Jetzt wurde der erste Band verfilmt und läuft seit Anfang Oktober bei uns im Kino: “Verblendung” (im Original lautet der Titel durchaus treffender „Männer, die Frauen hassen“).

Meine Neugier auf die Verfilmung war groß, also nichts wie rein in den zweieinhalb Stunden langen Film. Ich möchte nicht zuviel von der Handlung verraten, also ganz kurz: Im Prinzip geht es um den knapp 50-jährigen Journalisten Mikael Blomquist, der vom reichen Industriellen Henrik Vanger angestellt wird, herauszufinden was mit Vangers Nichte Harriet, die vor 40 Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand, passiert ist. Zur Hand geht Blomquist die etwas verhaltensgestörte (vielleicht Autismus?) aber geniale Lisbeth Salander, eine Mittzwanzigerin, die für eine Überwachungsfirma arbeitet.

Gerade die Figur der Lisbeth Salander ist im Buch sehr überzeugend dargestellt und auch äußerst interessant in ihren vielen widersprüchlichen Facetten. Das fängt bei Äußerlichkeiten wie ihrem riesigen Drachentatoo auf dem Rücken an, geht über die vielen Piercings und die Punkerklamotten weiter und endet in ihrem Misstrauen gegenüber allen ihren Mitmenschen. Hier war ich sehr gespannt, wie dieser extreme Charakter im Film rüber kommt. Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht: Die Schauspielerin, die die Lisbeth spielt (Noomi Rapace) kommt meiner Vorstellung der Buchfigur sehr nahe. Ebenfalls positiv: Die etwas langweiligen Wirtschaftsverstrickungen, die im Buch doch recht ausführlich behandelt werden, sind in der Verfilmung zum Glück deutlich abgespeckt worden. Immer noch verwirrend sind aber die Familienverhältnisse der Vangers: Ich weiß nicht, ob ein Nicht-Leser des Buches da im Kino nicht kleinere Probleme kriegt. Im Buch kann man ja immer mal wieder zurückblättern und außerdem ist dort glücklicherweise ein Familienstammbaum beigelegt.
Ansonsten wurde die ganze Geschichte etwas vereinfacht und stringenter gemacht, aber das muss bei einer Verfilmung ja passieren – besonders wenn die Buch-Vorlage über 700 Seiten besitzt. Ein paar Sachen wurden auch noch geändert, aber nicht so viel, dass es stören würde.

Alles in allem hält sich der Film dann doch recht eng an die Vorlage – so eng, dass es für mich nicht besonders spannend war, weil ich alles schon wusste und durch nichts im Film überrascht werden konnte. Trotzdem kann ich ihn empfehlen: Wer das Buch noch nicht gelesen hat, erlebt einige drastische Schockmomente und überraschende Wendungen in der Handlung. Und es ist mal was anderes als der hundertste Wallander-Krimi.

Die beiden anderen Bände der Trilogie sind auch schon verfilmt, der zweite Teil kommt im Februar 2010 zu uns ins Kino. Ich werd mir die Fortsetzungen wohl auch anschauen, denn gut gemacht sind die Filme auf jeden Fall.

Verblendung als Taschenbuch auf decido.

Verblendung als Hörbuch auf decido.

Veröffentlicht unter Bücher & Musik | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Wirklich gute Ratgeber für gestresste Eltern (II)

Wie (vor Monaten, sorry) angekündigt stelle ich heute meine Erfahrung mit einem weiteren Klassiker aus der Elternratgeber-Sparte vor, es geht um „Kinder fordern uns heraus“ von Rudolf Dreikurs. Herr Dreikurs ist der Ansicht, dass folgende Regeln helfen, um den Kindern unliebsame Angewohnheiten abzugewöhnen (ich gebe hier nur einige der wichtigsten wider, und das natürlich stark verkürzt, um das Prinzip klarzumachen): 1. Sich nicht in Machtkämpfe mit dem Kind verwickeln lassen, 2. Dem Kind keine „ungebührliche“ Aufmerksamkeit zu schenken, 3. Natürliche Folgen anwenden. Was bedeutet das genauer? Ein Beispiel: Wie bekommt man ein Kind dazu, etwas zu tun, auf das es keine Lust hat, zum Beispiel, sein Vesper vom Vormittag aus dem Schulranzen auszuräumen? Solche Momente arten leicht in einen „Machtkampf“ aus, denn das Kind will mit seiner Starrköpfigkeit beweisen, wer der Stärkere ist. Dreikurs’ Tipp: Möglichst nicht ärgerlich werden, und das Kind etwa zwingen, etwas zu tun, und es ihm auch nicht abnehmen; sondern die „natürlichen“ Folgen anwenden und das eigene Verhalten entsprechend anpassen. Wenn keine saubere Dose für das Vesper am nächsten Tag verfügbar ist, weil das alte Brot noch im Ranzen vor sich hingammelt, gibt es eben für diesen Tag kein Pausenbrot, oder es wird ohne Verpackung gerichtet, damit sich das Kind selbst drum kümmert, wie es das Brot mitnehmen kann. Kinder sollen damit lernen, eine „Ordnung“ zu respektieren, und vor allem ihren Teil dazu beizutragen. In vielen Fällen ist mir zwar dennoch rätselhaft, wie es funktionieren soll; wenn abends Zähne geputzt werden müssen, dann müssen eben die Zähne geputzt werden, denn auf die „natürliche Folge“ Karies kann ich gut verzichten. Dass es in vielen Fällen allerdings tatsächlich viel besser ist, ruhig, fest und ermutigend auf eine Situation zu reagieren als zornig, oder sich einfach auch einmal zurückzuziehen, um dem Kind zu zeigen, dass es von seinem Verhalten nichts erwarten kann, habe ich schon öfters ausprobiert und kann es nur empfehlen. Das Buch gibt dazu viele Beispiele und Tipps, die, wie ich finde, durchaus lesens- und einen Versuch wert sind.

Kinder fordern uns heraus von Rudolf Dreikurs gleich bestellen

Veröffentlicht unter Kind & Baby | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ohne-Wörter-Buch: Für Weltenbummler und Sprachlose

Hablas español? Comprendi italiano? Manchmal möchte man irgendetwas ganz dringend sagen und hat keine Worte dafür. Ein Wörterbuch mitzunehmen kann hier nicht schaden. Viel besser als ein normales Wörterbuch ist es aber, das „Ohne-Wörter-Buch“ von Langenscheidt dabeizuhaben. Warum? Erstens: Es ist klein und leicht und passt in jede Tasche. Zweitens: Es funktioniert in jeder Sprache! Abgebildet sind nämlich nur Bilder; hier zieht mal wieder der alte Spruch „Bilder sagen mehr als tausend Worte“. Grundnahrungsmittel, Medikamente, Verkehrsmittel, Wichtiges zum Einkaufen oder Übernachten – ich denke, hier wird der Reisealltag wirklich super abgebildet. So wird zum Beispiel auch in Japan die Kommunkation extrem erleichtert, wo man als gemeiner Mitteleuropäer ohne japanische Sprachkenntnisse ja nun wirklich keine Chance hat und die Japaner ja gerne mit einem lächelnden Nicken antworten, auch wenn sie kein Wort Englisch verstehen. Also ein ganz klarer Kauftipp für alle, die nicht nur Cluburlaub machen, sondern sich in einem fremden Land verständigen müssen – und/oder wollen. In diesem Sinne: Bon voyage!

Schnell noch vor dem Urlaub bestellen: das Ohne-Wörter-Buch von Langenscheidt.

Veröffentlicht unter Allgemeines, Sport & Freizeit | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Karlchen“ von Rotraut Susanne Berner – Kinderbuch-Klassiker zum Immer-wieder-Anschauen

Ich lese gerne und ich lese auch gerne vor. Aber – vielleicht kennt ihr das auch – manche Bücher nerven einfach ganz schnell. Wenn es dann ausgerechnet die sind, die die Tochter wochenlang jeden Abend hören und/oder sehen will, macht mir das einfach keinen Spaß. Zum Glück gibt es Bücher, die Eltern und Kindern (in diesem Fall Kleinkindern ab ca. 2) gleichermaßen gefallen. Unsere absolute Lieblingsreihe ist dabei „Karlchen“ – ein kleiner Hase, der mit seinen Eltern, Oma Nickel und seiner Kusine Käthe ganz normale „Abenteuer“ erlebt. Das „Abenteuer“ dreht sich zum Beispiel in „Karlchen geht einkaufen“ darum, dass der schusselige Hasenpapa alles vergisst, was man zum Einkaufen eigentlich braucht – und am Schluss von der Hasenmama im Supermarkt gerettet wird, die ihm im Jogginganzug den Geldbeutel hinterherträgt. Oder in „Gute Nacht Karlchen“ geht es um das Abendritual, mit dem der Papa seinen Sohn ins Bett bringt. Der Clou sind die unglaublich liebevollen Details, mit denen die Geschichte gezeichnet ist: Da erlebt das Haustier, ein schwarz-weiß gepunktetes Huhn, mit seinem Küken ganz nebenbei die gleiche Geschichte wie die Hauptpersonen. Oder an der Wand hängen Bilder, die zu einer der anderen Geschichten gehören. Noch dazu kostet ein (Papp-)Buch nur 6,90 Euro, da kann man sich durchaus nach und nach die ganze Reihe zulegen (es gibt fünf Bände). Und noch ein Tipp: Für die etwas Größeren (ab ca. 3 Jahren) gibt es die „Karlchen-Geschichten“, kurze Texte auf je einer Seite zum Vorlesen. Danke für diese tollen Bücher, Rotraut Susanne Berner.

Karlchen geht einkaufen
Gute Nacht, Karlchen
Guten Morgen, Karlchen
Wo ist Karlchen?
Ein Schwesterchen für Karlchen

Veröffentlicht unter Bücher & Musik, Kind & Baby | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wirklich gute Ratgeber für gestresste Eltern (I)

EIGENTLICH lese ich nicht gerne Elternratgeber. Entweder sie sind belehrend, viel zu umständlich geschrieben, es wiederholt sich alles mehrmals oder der Stil ist bemüht flapsig und locker, und dadurch extrem anstrengend. Warum tue ich es dann trotzdem immer wieder? Nun, man bekommt Empfehlungen, oder es gibt einfach Themen, bei denen man alleine nicht weiterkommt. Ich möchte zwei Erziehungsratgeber vorstellen, die mir weitergeholfen haben, das Familienleben für alle Beteiligten entspannter zu machen.
„Jedes Kind kann schlafen lernen“ ist das wahrscheinlich meistgeliebte und meistgehasste Buch zum Thema Schlafen. Nun weiß jede Mutter, dass Schlafen das A und O eines entspannten Tages ist. Wenn das Kind für seine Verhältnisse gut schläft, ist das die halbe Miete. Oder andersrum gesagt: Wenn es hier dauerhaft Probleme gibt, leiden alle. Mit Problemen meine ich nicht, dass das Kind manchmal beim Einschlafen quengelt oder nachts ab und zu aufwacht und etwas trinken möchte. Sondern, wenn es keinerlei regelmäßige Schlafgewohnheiten gibt, wenn Eltern Stunden damit verbringen müssen, die Kinder zum Schlafen zu bringen, und dadurch der eigene Rhythmus langfristig gestört wird. Denn das ist meiner Erfahrung nach wirklich wichtig: Nicht nur das Kind, auch die Eltern müssen mit den Schlafritualen dauerhaft zurecht kommen. Solange es der Mutter egal ist, dass das Kind nur nach stundenlangem Wippen auf dem großen Hüpfball einschläft, ok. Wenn der Leidensdruck aber zu groß wird, muss etwas geschehen. Wie also kriegt man das hin? Die Autoren schlagen vor, das Kind zum selbständigen Ein- und Durchschlafen zu bewegen, indem man es „kontrolliert“ schreien lässt. Also wach (und müde!) ins Bett legen, 3 Minuten schreien lassen, dann Reingehen zum Beruhigen. Danach 4 Minuten, dann wieder Beruhigen. Danach 5 Minuten … etc. etc. Das Beruhigen dient dazu, dem Kind zu vermitteln, dass es nicht alleine ist. Jedoch wird es nicht mehr aus dem Bett gehoben. Das Ganze geht so lange, bis das Kind alleine einschläft. Vor Erschöpfung, sagen die Kritiker. Ja, vielleicht – aber mit großer Wahrscheinlichkeit klappt es am nächsten Tag schon besser. Voraussetzung ist natürlich, dass das Kind auch wirklich müde ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, die Methode hat mich nach anfänglicher großer Skepsis sehr überzeugt. Einschlafen war nach kürzester Zeit wirklich kein Thema mehr. Und, das Wichtigste: Das Kind war, nachdem es endlich den geregelten Schlaf bekommen hat, den es brauchte, völlig verändert, viel gelassener und besser gelaunt, den ganzen Tag. Es hat sich gelohnt, den herzerweichenden Protest für eine Weile zu ignorieren. Insofern: das Buch und die Methode sind für leidgeprüfte Eltern allemal einen Blick wert.
Hier gibt es Jedes Kind kann schlafen lernen zu kaufen.

Demnächst schreibe ich über den Erziehungsklassiker „Kinder fordern uns heraus“ von Rudolf Dreikurs.

Hier gibt es mehr Erziehungsratgeber bei decido.

Veröffentlicht unter Kind & Baby | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nachtzug nach Lissabon – Feine Lektüre

Mein Tipp für Lesefreunde: Pascal Mercier beschreibt in wunderbarer Art und Weise in seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“, dass es nie zu spät ist aufzubrechen, um seinen Träumen zu folgen und sich neu kennenzulernen. Genau das tut “Mundus”, Studienrat Mitte 50 und zentrale Figur seines Romans: Nach einer aufwühlenden Begegnung mit einer portugiesischen Frau bricht er aus seinem geregelten Alltag aus und setzt sich quasi über Nacht in einen Zug nach Lissabon. Mit einer fast kindlich direkten Vorgehensweise verfolgt er dort anhand eines Buches die Spur eines Arztes und Mitglieds der portugiesischen Widerstandbewegung unter dem Diktator Salazar, der seit 30 Jahren tot ist. Er lernt die Menschen und Schicksale, die mit diesem Arzt verbunden sind, kennen und entdeckt sich selbst dadurch immer wieder neu. Es ist ein leises Buch über Freundschaft, Loyalität und den Sinn des Lebens. Spannend ist es, selbst den Gedanken weiterzuspinnen: „Was wäre, wenn ich morgen einfach ein ganz anderes Leben führen würde?” Als Lektüre für lange Sonntagnachmittage im Liegestuhl unbedingt zu empfehlen.

Lust bekommen auf das Buch? Bei decido kann man es kaufen: Nachtzug nach Lissabon

Veröffentlicht unter Bücher & Musik | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar