Persepolis: Über das Leben im Iran

Für Comics ist normalerweise mein Kollege Claus zuständig, der ein wahrer Comic-Freund und Kenner der Szene ist. Aber in diesem Ausnahmefall muss ich einmal über einen Comic berichten; habe ich doch vor kurzem meinen ersten „Erwachsenen“-Comic gelesen und bin richtig begeistert. Es geht um  „Persepolis – eine Kindheit im Iran“ von Marjane Satrapi, eine 1969 geborene Iranerin, die heute in Paris lebt. Sie schreibt über das Leben, das sie als Kind mit ihren Eltern in Teheran in den 70er-Jahren führt, während die Islamische Revolution stattfindet, die 1979 im Sturz des Schahs und der Machtergreifung der Mullahs gipfelt.

In faszinierend pointierten kurzen Episoden, die komisch und todtraurig zugleich sind, wird aus Sicht des liebenswerten kleinen Mädchens die Unterdrückungen dieser Zeit gezeigt. Die kleine Marjane ist aufmüpfig und passt so gar nicht in die Vorstellungen der Revolutionswächter. Daraus ergeben sich jede Menge gefährliche, absurde und eben auch komische Szenen; alltägliche Situationen, die ein vielsagendes Licht auf die „großen“ Ereignisse im Land werfen. Mehr als eine Million Mal wurden die Bände verkauft und in mehr als 25 Sprachen übersetzt – zu Recht, selten liest man ein so berührendes Buch. Auch als Film gibt es Persepolis seit 2007, verfilmt von Satrapi selbst. Hier der Trailer dazu, damit bekommt ihr auch einen tollen Einblick in den Stil, in dem auch der Comic gezeichnet ist.

Comic und Film sind nicht neu, aber wie ich finde gerade zur Zeit wieder interessant, um die Unruhen im Iran nach der Wahl im Juni besser zu verstehen. Satrapi zeigt natürlich eine sehr persönliche Sicht auf den Iran; aber gerade das macht es so anrührend und so lesenswert.

Hier gibts Film und Comic zu kaufen.

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„Karlchen“ von Rotraut Susanne Berner – Kinderbuch-Klassiker zum Immer-wieder-Anschauen

Ich lese gerne und ich lese auch gerne vor. Aber – vielleicht kennt ihr das auch – manche Bücher nerven einfach ganz schnell. Wenn es dann ausgerechnet die sind, die die Tochter wochenlang jeden Abend hören und/oder sehen will, macht mir das einfach keinen Spaß. Zum Glück gibt es Bücher, die Eltern und Kindern (in diesem Fall Kleinkindern ab ca. 2) gleichermaßen gefallen. Unsere absolute Lieblingsreihe ist dabei „Karlchen“ – ein kleiner Hase, der mit seinen Eltern, Oma Nickel und seiner Kusine Käthe ganz normale „Abenteuer“ erlebt. Das „Abenteuer“ dreht sich zum Beispiel in „Karlchen geht einkaufen“ darum, dass der schusselige Hasenpapa alles vergisst, was man zum Einkaufen eigentlich braucht – und am Schluss von der Hasenmama im Supermarkt gerettet wird, die ihm im Jogginganzug den Geldbeutel hinterherträgt. Oder in „Gute Nacht Karlchen“ geht es um das Abendritual, mit dem der Papa seinen Sohn ins Bett bringt. Der Clou sind die unglaublich liebevollen Details, mit denen die Geschichte gezeichnet ist: Da erlebt das Haustier, ein schwarz-weiß gepunktetes Huhn, mit seinem Küken ganz nebenbei die gleiche Geschichte wie die Hauptpersonen. Oder an der Wand hängen Bilder, die zu einer der anderen Geschichten gehören. Noch dazu kostet ein (Papp-)Buch nur 6,90 Euro, da kann man sich durchaus nach und nach die ganze Reihe zulegen (es gibt fünf Bände). Und noch ein Tipp: Für die etwas Größeren (ab ca. 3 Jahren) gibt es die „Karlchen-Geschichten“, kurze Texte auf je einer Seite zum Vorlesen. Danke für diese tollen Bücher, Rotraut Susanne Berner.

Karlchen geht einkaufen
Gute Nacht, Karlchen
Guten Morgen, Karlchen
Wo ist Karlchen?
Ein Schwesterchen für Karlchen

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Nachtzug nach Lissabon – Feine Lektüre

Mein Tipp für Lesefreunde: Pascal Mercier beschreibt in wunderbarer Art und Weise in seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“, dass es nie zu spät ist aufzubrechen, um seinen Träumen zu folgen und sich neu kennenzulernen. Genau das tut “Mundus”, Studienrat Mitte 50 und zentrale Figur seines Romans: Nach einer aufwühlenden Begegnung mit einer portugiesischen Frau bricht er aus seinem geregelten Alltag aus und setzt sich quasi über Nacht in einen Zug nach Lissabon. Mit einer fast kindlich direkten Vorgehensweise verfolgt er dort anhand eines Buches die Spur eines Arztes und Mitglieds der portugiesischen Widerstandbewegung unter dem Diktator Salazar, der seit 30 Jahren tot ist. Er lernt die Menschen und Schicksale, die mit diesem Arzt verbunden sind, kennen und entdeckt sich selbst dadurch immer wieder neu. Es ist ein leises Buch über Freundschaft, Loyalität und den Sinn des Lebens. Spannend ist es, selbst den Gedanken weiterzuspinnen: „Was wäre, wenn ich morgen einfach ein ganz anderes Leben führen würde?” Als Lektüre für lange Sonntagnachmittage im Liegestuhl unbedingt zu empfehlen.

Lust bekommen auf das Buch? Bei decido kann man es kaufen: Nachtzug nach Lissabon

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